Hier schreibt Thomas Roemer ueber Schneeball:

Die ganze Geschichte war so einfach und genial und deshalb für manche auch richtig erfolgreich. Ich sage für manche und muss dazu sagen dass sich mir das erst mit der Zeit entdeckt hat.

Die Gründer (Scherben ,Embryo) waren mit Ihrem ersten Versuch gegen die Mauer, in Form eines Schreibens von der CBS das von 12 Anwälten unterschrieben war und die Verwendung des Namens „APRIL“ (Gründungstag war irgend ein 1.April und das „macht was er will „ Image) untersagte, gefahren. Unser und das von noch einigen Anderen sehr intensiv betriebene Beitrittsgesuch hat mit die „Schneeball“ Namensgebung beeinflusst. Dieser Nukleus der von der (kosmischen) Schwerkraft bewegt immer größer, und zur Lawine wird. Die Beitrittsverhandlungen, wo wir sehr deutlich vertreten mussten dass wir ernsthaft interessiert waren, liefen als Konferenzen statt. Im Plenum wurden die Anträge diskutiert.

Da war auch schon die warnende Stimme gegen die Erweiterung. Dieser Reflex aus dem Underground der zu kleinen, selbständig operierenden Einheiten rät. Der Embryo-Chef ( CB) hat da durchaus erst mal „Nein“ gesagt. Wir sollten uns nach dem Vorbild selbst organisieren. Über Kooperationen könnte man dann sprechen. Wir Youngsters , ( Namensrecherche Real ax band, Moira, Checkpoint Charlie, Munju) wollten die gleichberechtigte Eingliederung. Wir haben uns als Netzwerk zwischen Nord (David Volksmund, Namensrecherche München) und Süd, als Vertriebs-Knotenpunkte empfohlen.

Als der Hammer gefallen ist und Schneeball mit uns begann da hat der Embryo Chef wahrscheinlich gesagt „too much – aber ok“. Gerade denk ich „ mit oder ohne - „ also ob er sich damals was gedacht hat dabei oder...

. Die Grundthesen die ich kennen gelernt habe als wir mit unserer Band dazukamen, waren in etwa wie folgt:

Damit die Gesellschaft sich ändern kann sind alternative Strukturen zu schaffen. Um die entfremdete Arbeit, der Entfremdung von Arbeit und Leben entgegenzuwirken, dass Keiner den Anderen mehr ausbeute, heben wir die Spezialisierung auf..

Der Musiker ist auch Autor, Produzent, Werbegraphiker, Redakteur, Tonmeister, Lichtdesigner, Photograf, Transportunternehmer, Schallplattenverkäufer, Fahrer, Vertriebmanager, Schallplattenvertreter, Schrauber, Plakatkleber, Versandarbeiter, Darsteller, Moderator, Schlagzeuger....Festivalpromotor

Auf den Schneeballsitzungen verdrängte das pure Schallplatten gegeneinander Aufrechnen zunehmend die Debatte. Unsere Produkte mussten auch eingetütet werden. Da saß man in einem Wust an Kartons und bunten Stapeln von Covers und LPs. Stoned, noch oder schon wieder betrunken, Mancher auch sehr nüchtern und betont geschäftlich Die Verkaufszahlen schufen eine Hierarchie die ideologisch nicht vorgesehen war. Es gab Listen, jeder hatte sein eigenes System. Die Platten die bei den Konzerten am Stand verkauft worden waren mussten von den in die Geschäfte gelieferten unterschieden werden. Platten wurden gezählt und schon beim nächsten Mal kam ein anderes Ergebnis heraus.

Ein für Alle gültiges Schema war notwendig und die Grundsatzdiskussion

( Ich sitz im Zug und geh bei „Portawestphallica“ erst mal pissen. )

Im Grund ging es um den Vertrieb es gab ein paar Zentrale Produkte die den großen Aufwand der nötig war rechtfertigten. Im Kielwasser der Zugpferde konnten wir uns entwickeln. Wir hatten in Wü eine Brückenfunktion, Umschlag Ort stimmt auch und haben unser organisatorisches Vermögen in die ganze Geschichte voll eingebracht und echt auch die Verkaufstour in den Spessart gemacht aber interessant waren die Leute die diese Musik gemacht hatten. Diese Munju-nur Musik- Band hat überall wo es ging in Tourpausen, zu kurz zum Nachhausefahren, an off days irgendwo, die Chance gesucht mehr über deren Hintergrund und die Musik zu erfahren. Wir haben überall einfach sobald es ging die Sachen aufgebaut und zu Proben begonnen oder mit dem der wollte zusammengespielt.

Es gab auch Unternehmergeist in der Szene. Da war man dann schnell mal auch Kunde wo vorher Alles so gemeinschaftlich ging. Wirtschaftliche Aspekte wurden zur treibenden Kraft Investitionen mussten gesichert werden. Bauvorhaben abbezahlt und Unternehmen gestützt werden.

Der Vertrieb war auch ziemlich leistungsstark und im sog von den Verkaufszahlen brachten wir auch unsere Produkte unter. Die Sache lief sogar obwohl der Hit in die Jahre kam und der Sänger nie aufgetreten ist (Rio) und der gesamte Münchner Tross sich nach Indien aufmachte. Wir waren viel in ganz Europa

und zur Unterstützung des Vertriebs sollte eine Festival Serie ins Leben gerufen werden.

Ich weiß nicht wer sich so etwas aufschwatzen lässt ohne misstrauisch zu werden, ich hab das richtig gern gehabt und viel dabei gelernt. Klar ist das ein utopischer Entwurf aber dazu die Möglichkeit zu haben das war unglaublich spannend Außerdem dass man in dieser Zeit, in dem sich öffnen von immer mehr Möglichkeiten auch ganz einfach verschiedene Berufsbilder ausprobiert hat.

1978 In diesem Jahr war das mit dem „alternativen Finanzamt“ Es war Spielgeld gedruckt worden das von uns eingetauscht wurde und mit dem man bei den „unseren“ Ständen einkaufen konnte. Wer von den Handeltreibenden auf dem Festivalgelände da nicht mitmachte hatte zumindest zugesagt einen Dritten Teil Dessen was er bei uns verdient an uns abzuliefern.

Wer das nicht wollte musste gehen. Das ganze wurde auf nicht nur einem Plenum öffentlich debattiert und dann spontan umgesetzt. Der Eine Eisverkäufer der weder gehen noch zahlen wollte ist ganz schön ins wackeln gekommen. Als ihm dann die Milch und Alles Andere in seinem Wagen um die Ohren geflogen ist, wenn ca. fünfzig Leute auch nur ein wenig aber gemeinsam an so einem Eismobil schaukeln kommt da so einiges an Schwung zusammen.

Ich hatte immer den Eindruck dass die örtlichen Behörden und das am meisten denke ich wegen unseres wirklich betont friedfertigen Auftritts uns recht wenig behelligten. Der Verfassungsschutz war sicher immer mit auf dem Platz. Inwieweit die auch unsere Gruppendynamischen oder alternativ-wirtschaftlichen kommunikationstechnischen ( wir haben, ja damals ging das noch, auf UKW ganz auf Rechts-Anschlag gesendet. Also richtig Programm. Musik. Es gab ein nächtliches Gruppenkonzert mit acht E-Bässen mit Live-Übertragung. Mir ist das so eine Art Bärenversammlung im Vorzelt des Senders in Erinnerung. Wir betrieben einen Info-Funk und es gab Nachrichten sowie Festival Programm-Informationen.) Aktivitäten beobachtet haben. Aber da war man halt in „Dunstkreis“ unterwegs

Schneeballsitzung 1979 Sept. oder Okt.

Als der Embryo Chef dem Scherben –Sänger gegenüber das „KARMA“ ins Spiel gebracht hat ist der komplett ausgerastet. Soweit ich mich erinnere ging es die Verkaufszahlen der LPs. Fakt war dass die Scherben die meisten verkauft haben. Weit dahinter kamen die Embryos und dann alle anderen als „ferner Liefen“

Thomas Roemer