Texte von Stella Roemer, Thomas Tochter, von seinen Schewstern Uschi und Anette und seinem Bruder Peter sowie eines von Petra. Plus eine kleine Geschichte die Thomas Stella erzaehlt hat als sie klein war.

„Bitte kümmere Dich um ein Kondolenzbuch, dass sollst Du dann behalten. Und dann sollen alle etwas reinmalen, mit so Wachsmalern und Buntstiften. Natürlich können die auch was schreiben oder nur unterschreiben, aber schön wäre es wenn die spontan etwas malen. Und dann nimmst Du es mit zu Dir und dort können dann alle die wollen immermalwieder reinschaun.“

PapaDeda.

Ich bin stolz Deine Tochter zu sein, und stolz Deine Enkelin

geboren zu haben.

„Ein Kind kommt auf die Welt!

Das Schönste was passieren kann, dazu sind wir (Menschen) da.“

Erst diese spontane Bauchantwort ließ mich, durch die plötzliche Schwangerschaft etwas überfordert, auf meine bezaubernde Tochter freuen und das Geschenk des Himmels annehmen.

Du hast mich aufgefangen wenn ich es brauchte und freigegeben wenn ich fliegen lernen sollte.

In einem Gespräch vor vielen Jahren hast Du mir erzählt es müsste ein neuer Ismus begründet werden. Nicht Mitleid haben sondern Mitfühlen.

Auch wenn Du vielleicht manchmal dachtest Du müsstest eine herausragende berufliche Stellung haben, so war es immer die gefühlvolle, die emphatische die Dich ausgezeichnet hat.

Du hast und hattest immer ein zuhause in unseren Herzen.

Ich habe mit vielen gesprochen und alle haben egal wie lang Sie Dich kannten, ob durch die Musik, ein Theater oder noch durch die Schule, sehr geschätzt. Und mir erzählt mit welcher Hingabe, Weitsicht, Kompetenz und Intelligenz Du Dich für Sie eingesetzt hast und wirkliches Verständnis für Sie hattest.

Es ist alles gleichzeitig. Trauer und Freude. schwarz und bunt. stehen und fallen.

Leben und Sterben. Und alles ist eins. Du bist immer noch da.

Deine Hülle war, Dein Geist ist.

Danke für Dich.

Deine Stella*

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Stubenwagen

Die letzte Begegnung mit meinem Bruder Thomas fand kurz vor seiner Asienreise bei uns in Sulzfeld statt. Anlass war der gleichzeitige Besuch von Stella, die den Stubenwagen, der bei mir untergestellt war, abholen kam. Der Stubenwagen könnte auch symbolisch für unsere Familienchronik stehen. Er wurde für unsere Mutter angeschafft, die die Älteste von fünf Geschwistern war. Danach ging der Stubenwagen quer durch Deutschland auf die Reise, um allen Kindern, Kindeskindern und auch den Urenkeln dieser großen Verwandtschaft bis heute einen geborgenen Start ins Leben zu schenken.

Bei unserem Treffen im Herbst kamen wir also auch über diese schöne Tradition in ein Gespräch über die Zeit, als unsere Kinder noch klein waren und wir sehr viel Zeit gemeinsam mit ihnen verbrachten. Tja, so ist es, kamen wir zu dem Schluss, die Kinder werden erwachsen und heute liegen unsere Enkel im Stubenwagen. Wir sprachen über Vergangenheit, Gegenwart, aber auch über Zukunft.

Im Februar hat uns Thomas stolz die Nachricht von der Geburt seiner Enkelin Luna Maria überbracht und plante ein großes Familientreffen.

Nun nehme ich Abschied von meinem Bruder Thomas. Im Herzen habe ich große Traurigkeit, aber auch eine lebendige Erinnerung.

Adieu Thomas

Deine Schwester Uschi

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Ich (Stella Roemer) schreibe aus meinen erinnerungen der erzählungen meines papas- ich hoffe ich vergesse und verdrehe nichts

"the white ass nigga"

mein papa spielte bei der band "vic pits and and the cheaters"

die haben ihn quasi vom fleckweg mitgenommen. er war am studieren in graz. das zimmer welches er als student hatte überlies er seinen kumpanen die es für partys zum abrocken nutzten. er wollte eigentlich auch nur drei (?) monate mit den vic pits and the cheaters unterwegs sein und war dann doch 9 (18? 12?) monate unterwegs. sein zimmer war danach nicht mehr, der vermieter hatte die bude räumen lassen, da niemand die verantwortung hatte und hat einfach alles weggeschmissen.

da war alles mögliche dabei- viele erinnerungsstücke der kindheit und jugend von meinem papa.. kinderfotos und schwimmmedallien um nur zwei zu nennen, was man halt so behalten möchte.

auch wenn das nicht so schön war, war aber die zeit mit der band unterwegs sehr wertvoll und erfahrungsreich wie er immer betonte. richtig viele konzerte am stück, hier hab ich viel gelernt, was mir später bei munju geholfen hat. zum teil 6 bis 8 shows die woche, und immer unterwegs..

in berlin waren sie auch drei monate - im alten ...hm, direkt am kudamm später war dann ein kino drinnen..

er hat erzählt dass sie dort so richtig heftig gefeiert haben, er sich aber dann doch nicht bis zum letzten beteiligt hatte, sondern irgendwann nein, schluss! gesagt hat - was genau, wie genau hab ich nicht genau nachgehakt. nein, schluss! aber sollte und hab ich gelernt von ihm - lass die finger von den harten sachen.

er war auf jeden fall der drummer der band- ein weisser unter 8 schwarzen. und respekt erhielt er nicht nur für seine musikalische ader, sondern auch für seine loyale und ehrliche art.

der titel the white ass nigga stammt von einer begebenheit auf der straße von einem a nach b mit der band. nebendran ein käferautomobil und jungs drin, die dummdoof einen spruch losliessen, sowas wie: was macht denn der da mit den niggern?! mein papa hat dies dann einfach übersetzt, ohne bewertung wie er immer hinzugefügt hat.

und an der nächsten ampel- die blödies im käfer sitzend- wurde dann einfach zusammen über den käfer marschiert- wortwörtlich aber ohne ein wort.

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„Ist es nicht wunderbar,

dass wir an eine Auferstehung glauben dürfen“,

das sagte Thomas wenige Tage vor seinem Tod. Am Mittwoch nach Ostern, dem Fest der Auferstehung, starb er. Die Bibel neben sich, auf den Pfarrer wartend.

Thomas hatte sich auf den Weg nach Hause begeben, zurück zu dem Glauben, in dem er aufgewachsen ist, zurück in die katholische Kirche. Auch wenn er davon überzeugt war, dass sich alle Religionen an den ein- und denselben Gott wenden, an die eine Göttlichkeit.

Er hatte keine Angst vor dem Tod.

Er hätte aber so gerne noch weiter gelebt. Jeden einzelnen Tag hat er gestaltet, bis zuletzt Ideen gehabt und Projekte begonnen – innerhalb der Grenzen, die die Krankheit ihm steckte. Und die immer enger wurden.

Uns sind noch 4 Monate geblieben nach seinem Rücktransport aus China. Jeder Tag ein wunderbares Geschenk – auch wenn es manchmal kaum zu ertragen war, zuzusehen, wie die Krankheit immer mehr Besitz von ihm ergriff und dabei die eigene Ohnmacht zu spüren.

Thomas glaubte an die Liebe wie kein anderer.

Seine Auferstehung vollzieht sich in unserer Liebe.

Petra

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Zu meinem Bruder Thomas

Andere Wasserball-Gruppe (SV 05 Würzburg) – er Neptun, glaub ich – ich Delphin. 3-Bett-Zimmer (Neubaustrasse 18). Verbissene Kämpfe mit Gummis zwischen Daumen und Zeigefinger gespannt, „Kugeln“ aus (sorgfältig) zusammengefaltetem Papier. Volltreffer auf allen Seiten. Aber kein Geschrei. Eltern außer Haus. Rainer drei Esslöffel Kokosnuss-Likör (sah aus wie Wasser) eingeflößt. Anschließend unruhige Nacht. Der Jüngste dirigierte ausdauernd Märsche im Schlaf. Mit mehr oder weniger dazugehörenden Kommandos. Tee, morgens um 8.17 Uhr in der Küche. Kurz vor Unterrichtsbeginn. Mit Thomas gabs mal was Feines in den Tee hinein. Sah aus wie brauner Kandis. Hatte aber mit Zucker nichts zu tun. Irgendwie fand der Unterricht dann gleichzeitig statt und nicht statt. Hatte Schreinerlehre. Immer so früh raus. Dann die Musik. Munju war seine Leidenschaft. Ist sie noch heute (23. April 2005).

Neue Aufgaben. Bayern, Baden-Württemberg, China. Baden-Baden. Weihnachten. Carrera-Bahn. Hähnchenschenkel mit Reis. Ein Pils, na gut, auch mal zwei. Und immer wieder die Musik: Munju, Rolling-Stones, Klassisches. Religion, Politik, Geschichte, Liebe. Kummer, stiller Schmerz. Ideen, Visionen, Träume. Standpunkte.

"Hallo Peter, hier ist der Thomas!" Diese fröhliche Ansprache fehlt mir jetzt.

Bruder, Kumpel, Streiter, Freund, Helfer, Guter,

Du wirst in unseren Herzen bleiben.

Peter und Christiane Römer

 

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Thomas,

geboren als der Mittlere von uns fünf Geschwistern, erzählte mir einmal, er habe in jungen Jahren stets seinen Platz suchen müssen, mal am Erwachsenen-, mal am Kindertisch.

Seinen Platz fand er in den Ensembles von Theater- und Festspielhäusern.

Er hat uns an seinem interessanten Leben, insbesondere in Bayreuth und Baden-Baden, teilnehmen lassen,

was immer etwas Besonderes für uns bedeutete.

Trotz mancher Enttäuschung, beklagte er sich nie, auch nicht in den vielen Gesprächen der zurückliegenden Monate,

im Gegenteil, er zeigte einen starken Lebenswillen,

was uns allen Mut machen kann.

Annette und Götz