Worte zu Thomas Roemer's Beisetzung, von seinem Bruder Rainer. Ein Text über Thomas, zur Urnenbestattung am Freitag, den 29.4.2005, in kleinem Brevier abgedruckt:

Anmerkungen zur Musik

Thomas in China. Weil er dort kurze Zeit nach Antritt seiner Stelle als Technischer Direktor an dem gerade neugebauten Theater in Hangzshou schwer erkrankte und ein Rücktransport nötig wurde, konnte ich mit Unterstützung meiner Geschwister im Dezember letzten Jahres dorthin fahren.Thomas lag in einem Zimmer,betreut von einer freundlichen , älteren chinesinischen Frau, die Essen brachte und sich um ihn kümmerte, dabei ständig in der Nähe blieb, auch mit dem nötigen Abstand, wenn Thomas allein sein wollte.

Im Grunde war ich nur wenige Stunden dort, aber ich habe mit Thomas sehr lange und ausführlich gesprochen. Er sprach von seinen Töchtern Stella und Felicitas, von Petra, von seinem Freund Wolfgang, von Munju, Tina, Micha, von seinen Geschwistern Annette, Peter Uschi, von seinen Eltern. Wir reden von der Zeit, als unsere Eltern jung waren und was sie wohl erlebt haben. Ich berichte ihm von seinem Einfluß auf mich als dem jüngeren Bruder und er erinnert die Zeit, als wir nachts Neue Musik am Radio hörten oder wir uns gegenseitig vorlasen, dabei einschliefen und zum Entsetzen unseres Vaters die halbe Bude abzubrennen drohte, da der Wachsberg, auf dem unentlich viele Kerzen nacheinander schmolzen, ein Brandherd sondersgleichen darstellte.

Nun, was machen Musikliebhaber, wenn sie sich treffen. Sie spielen sich die neueste „ Lieblingsmusik“ vor. So auch hier, allerdings mit einer anderen Perspektive. Thomas wünschte sich diese drei Musiken auf seinem letzten Weg.

Als erstes erwähnt er Brian Eno. Music for Airports . Ruhige Musik . Sammlung der Gedanken. Getting together. Ready for depature.

Die Zweite Musik. Beat on the Wet sock aus dem Album Le Perfectionniste (1984) von Munju, wo er in der er der Zeit von 1977-1988 Jahre Schlagzeug spielte, stellt für ihn eine Art Kulminationspunkt dar. Dichte, beharrliche, energische Musik, weit entfernt von der Formenlehre der Pop Musik. Samples, bevor es Sampler gab. Chöre, Prozeßhaftes. Musik wie Feuer.

Die dritte Musik, das Intermezzo sinfonico aus der Oper Cavalleria Rusticana von Pietro Mascagni. Thomas gibt mir den Kopfhörer und sagt „Hör mal...“ Thomas ist sich der ungeheuren Sentimentalität der Musik bewußt. Wir scherzen über dieses kurze, 3:25´ Minuten dauernde, aufgebrachte Musikstück von 1890, dem man doch nicht entrinnen kann.

Als Bühnenanweisung steht an dieser Stelle in der Partitur.

Alle kommen aus der Kirche. Lucia überquert die Bühne und geht in ihr Haus.

Rainer Römer